Brindisi, Stadt am Meer, das „Tor zum Osten', wichtiger Knotenpunkt zur Zeit der Römer, reich an kulturellen Einflüssen.

Wo die Adria in das Ionische Meer übergeht und wo Italien langsam seinen östlichsten Ausläufer erreicht, hier liegt Brindisi. Als Ort der Begegnung und gleichzeitig Grenzland hat Apulien dank der strategisch günstigen Lage einiger seiner Städte historische Bedeutung als wichtiger Handelsplatz und wurde von verschiedenen Völkern als Eingangstor zum Osten, zum Levante, angesehen.
Es ist unbestritten, dass Brindisi seit der Zeit der Römer der wichtigste Verkehrsknotenpunkt in der apulischen Region war. Die Notwendigkeit, dieses Ziel in so kurzer Zeit wie möglich zu erreichen, war ausschlaggebend dafür, dass neben der ursprünglichen via appia eine zweite Strasse, die via Traiana, gebaut wurde. Der Hafen von Brindisi war für alle Reisenden aus Rom Richtung Osten der entscheidende Angelpunkt, aber es war auch eine wichtige Anlegestelle für alle, die von ihren Pilgerreisen zu den heiligen Stätten zurückkehrten oder die wichtigen europäischen Wallfahrtsorte besuchen wollten.
Brindisi ist ein natürlicher Hafen, der im Inneren einer Küsteneinbuchtung in der wunderschönen Ebene Salentos entstanden ist. Die gewaltigen Schichten roter Erde, das flache Land und das Fehlen von Wasserläufen an der Oberfläche sind charakteristisch für dieses Territorium, das sich hervorragend für den Wein- und Olivenanbau eignet.
Von der wunderschönen Landschaft in Pastellfarben im Landesinnern folgt der Blick den Rebreihen entlang, die am Horizont in das Blau des Meeres und das Azurblau des Himmels übergehen. Ein Territorium, wo Sonne, Natur und der Einfluss des Meeres reiche und üppige Weine von großer Qualität entstehen lassen. Das Meer ist ein wichtiger Faktor in diesem Gebiet, der den hier entstehenden Weinen ihre ganz eigene Komplexität zu verleihen vermag.

Die Geschichte Brindisis ist reich an kulturellen Einflüssen, die sich im Laufe der Jahrhunderte abgelöst haben. Wie alle Meeresstädte hat es goldene und düstere Zeiten erlebt. Seinen künstlerischen und architektonischen Höhepunkt hatte Brindisi in der Zeit vom 11. bis zum 13. Jahrhundert mit seiner apulischen Romanik und im 17. Jahrhundert mit dem salentinischen Barock.
Heute ist Brindisi eine moderne und dynamische Stadt und Anziehungspunkt für Touristen auf der Suche nach Kultur, Natur und Geschichte. Eine Meeresöffnung zur Entdeckung neuer Welten.
Der Name der Stadt ist untrennbar mit dem Hafen verbunden. Es wird davon ausgegangen, dass Brindisi vom Ausdruck der Messapier „Brunda' stammt, was „Hirschkopf' bedeutet und auf die morphologische Form des Hafens Bezug nimmt. Die Kultur der Messapier, die vermutlich griechischen oder illyrischen Ursprungs ist, war vom 8. bis zum 3. Jahrhundert v.C. in dieser Gegend ansässig. Der mythischen Sage nach stammt der Name der Stadt dagegen von Brention, Sohn des Herkules, der 2013 v.C. lebte.
Beginnend mit den Griechen ist Apulien von vielen Völkern dominiert worden, von den Römern über die Langobarden bis zu den Byzantinern und Sarazenen. Aber es sind die Römer, die der Region die blühendste Zeit in ihrer Geschichte bescheren. In 267 v.C. wird Brindisi Kolonie des römischen Imperiums und zum bedeutendsten Militär- und Handelsplatz gen Osten und sein Hafen zu einem der wichtigsten Italiens. Die Stadt ist anfangs über die via Appia und später über die via Traiana mit der Hauptstadt verbunden. Man errichtet Tempel und Thermen, baut ein Amphitheater und ein Forum, und es entstehen Kasernen, Akademien, eine Münzprägestelle und ein Aquädukt.
Von diesem goldenen Zeitalten erzählen noch greifbare Zeugnisse in den Lagen von Jaddico und von Giancòla, zweier archäologischer Stätten, wo sich heute die Weinberge der Tenute Rubino befinden. Die hier ans Licht gebrachten wertvolle Funde aus dem 1. Jahrhundert n C., die heute zum Teil im Museum von Brindisi ausgestellt sind, zeigen, dass in dieser Gegend Wein angebaut und kommerzialisiert wurde.
Mit dem Niedergang des westlichen römischen Reiches im 5. Jahrhundert gerät auch Brindisi in ein Stadium des Verfalls und wird von Goten, Ostgoten und Griechen erobert und bevölkert. Die Herrschaft der Byzantiner besteht auch während der Invasionen durch Sarazenen und Langobarden fort bis zur Machtergreifung durch die Normannen (um 1071), die der Stadt eine neue Blütezeit bescheren. Die Bedeutung der Stadt als „Tor zum Osten' erhöht sich noch durch die Kreuzritter, die den Hafen Brindisis für ihren Aufbruch ins „Gelobte Land' wählten. In dieser Zeit erlebt die Stadt auch in architektonischer Hinsicht einen Höhepunkt.
Im 11. und 12. Jahrhundert entsteht die Kathedrale, auch als Basilica di San Giovanni Battista bekannt, die beim Erdbeben von 1783 beschädigt wurde und den heutigen Domplatz überragt. Der Bau verblüfft mit seiner außergewöhnlichen Schönheit, und besonderes Augenmerk verdienen die Überreste des ursprünglichen Mosaikbodens. Auch die Ende des 13. Jahrhunderts erbaute Kirche der Santa Maria del Casale ist mit ihrer Fassade mit aus zweifarbigen Steinen bestehenden Ornamenten überaus sehenswert. Sie wurde um eine frühere Kappelle herum errichtet, die ein Bildnis der Jungfrau mit Kind enthält, und befindet sich in einem Außenbezirk der Stadt.

Nach den Normannen und den Staufern mit Friedrich II. wird Brindisi im 13. Jahrhundert von den Angioni, Aragonern und Türken besetzt. Um sich bei einer drohenden sarazenischen Invasion verteidigen zu können, werden Küstenwachtürme errichtet und Burgen und Gehöfte im Inland befestigt. In der Lage von Jaddico erhebt sich die kleine Festung von Torre Testa, die nicht nur ein hervorragendes Beispiel für diese Art von Architektur bietet, sondern auch den Namen für einen der Topweine der Tenute Rubino liefert. Ein wunderbarer außergewöhnlicher Rotwein aus der autochthonen Rebsorte Susumaniello. Eine typische, von Aussterben bedrohte Rebsorte Salentos, die heute dank des Arbeitseinsatzes und der Hingabe der Tenute Rubino zu neuem Leben erweckt wurde.
Von 1496 bis 1509 gehört Brindisi zu Venedig, um anschließend unter spanischer Herrschaft und der Regentschaft Karls V zu stehen. In diesen Jahren erlebt Brindisi erneut eine lange Phase des Verfalls, die zudem mit einer Versumpfung des Hafens einhergeht. Die Architektur der Stadt trotzt dagegen dieser Entwicklung und macht mit der Errichtung der Chiesa di Santa Teresa im 17. Jahrhundert, typisches Beispiel für den salentinischen Barock, einen großen Schritt nach vorn. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Fassade der Basilika mit ihren originellen Formen und den wenigen Steinelementen (Nischen, Fialen und Voluten) auf einer Wand aus Carparo-Tuffstein.

Erst im Jahr 1775 erholt Brindisi sich wieder wirtschaftlich unter Ferdinand IV von Bourbonen. Auch der Hafen kann – nicht zuletzt dank der Trockenlegung der Sümpfe in der Umgebung der Stadt -
an alte glorreiche Zeiten anknüpfen. Unmittelbar nach der Eingliederung in das Italienische Reich im Jahr 1860 erlebt die Stadt ab 1869 einen neuen Aufschwung, als ihr mit der Öffnung des Suez-Kanals der Seeweg nach Indien offen steht und sie damit wichtiges Handelszentrum für die ehemalige britische Kolonie wird.
Im Zweiten Weltkrieg wird Brindisi Kommandozentrale der Alliierten in der unteren Adria und gewinnt damit an strategischer Bedeutung. Für einen kurzen Zeitraum, von September 1943 und Februar 1944, fungiert die Stadt als Hauptstadt Italiens.
Verfasst am 02 April 2010 in der Kategorie Das Territorium
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