In Brindisi und im Salento entstehen einzigartige und unnachahmliche Qualitätsweine, die sich durch territorialen Charakter auszeichnen.

Der Absatz Italiens, eine Landzunge, die von zwei Meeren umgeben ist, dem Ionischen Meer und der Adria. Eine Terrasse des Westens gen Balkan, Griechenland und Südosteuropa, wo das Meer vereint und nicht teilt. Ein Grenzland, wo alles endet und zur gleichen Zeit vieles neu beginnen kann. Salento ist aber auch - aus Schicksal und aus landwirtschaftlicher Berufung – das Land der Weinrebe und der Weinkultur, wo der Wein so alt ist wie die Menschheit und sein blühender Anbau andere Regionen vor Neid erblassen lässt. Höhe und Bodenbeschaffenheit, Ausrichtung und Sonnenbestrahlung, Temperaturschwankungen und Winde, im Salento wirken sie zusammen und gleichzeitig gegeneinander, wie in einem Kaleidoskop. Damit entstehen mikroklimatische und territoriale Bedingungen, die sich innerhalb weniger Kilometer vollkommen verändern können.
Der Weinanbau hat in dieser sonnenverwöhnten Region alle Zeitalter erlebt, von den Griechen über die Römer bis zu den Langobarden und Byzantinern, später Normannen und die Dynastien der Angioni und Aragoner, um in unserer heutigen Zeit eine der ergiebigsten Produktionen Italiens zu sein. Verschiedene historische Epochen mit unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, denen es gelungen ist, ihren jeweiligen individuellen Stempel aufzusetzen und ein Stück ihrer Identität in Apulien zu lassen, ohne den roten Faden der Geschichte zu unterbrechen. Ein Rot intensiv wie ein Negroamaro, aber auch brillant und klar wie ein Primitivo oder Susumaniello, denn Apulien und Salento sind vor allem ein Land der – zum Teil großen und unvergesslichen – Rot- und Roséweine.
Antike Rebsorten, die in diesem von Meer umgebenden Land optimale Bedingungen gefunden haben und von Generationen von Weinbauern zu kennzeichnenden Rebsorten des Territoriums gemacht wurden. Das Meer ist einer der Protagonisten in dieser Geschichte des Weins. Zum Handeltreiben mit Wein wurden von diesen Ufern aus Seewege erschlossen, die mit dem Hafen von Brindisi eine ideale Verbindung für Rom und das Römische Reich darstellten. In diesem Gebiet an der adriatischen Küste um Brindisi wurde bereits vor 2000 Jahren Weinbau betrieben, man vergor die Trauben und kommerzialisierte den Wein. Die Geschichte von Visellio in Jaddico ist bezeichnend, aber nicht die einzige. In der Antike finden sich viele Zeugnisse, die Salento mit Wein verbinden und daran erinnern, dass Wein wie kein anderes Nahrungsmittel der Welt Identität und Kultur verkörpert.
Diese Vergangenheit findet sich in der gegenwärtigen Weinwirtschaft Apuliens und Salentos auf verschiedene - zum Teil auch widersprüchliche - Art wieder, aber die Bedeutung des ampelografischen Vermögens dieser Region sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Ebensowenig die Anzahl der Winzer, die endlich auf Qualität im Weinbau setzen und ganz sicher dazu beitragen werden, die überholte und oberflächliche Vorstellung des Weins aus Apulien, der mit Quantität, hohem Alkoholgrad und Produkt zum Verschneiden für andere Weinregionen in Italien und Frankreich in Verbindung gebracht wird, ad acta zu legen.

Diese Interpretation des apulischen Weins ist heute nicht mehr zeitgemäß, wofür es ausreicht, die qualitativ erstklassigen Weine von mehr als 50 Produzenten zu verkosten. Ein vielleicht größeres Problem, an dem auch andere Regionen Süditaliens kranken, ist aber die Kommunikation. Auch wenn die Qualität der Produkte sich stark verbessert hat, wird wenig für das Marketing und Image getan, die als zweitrangig gegenüber der Produktion (Weinberg und Keller) angesehen werden. Mit anderen Worten: man verbessert die Produktion, aber es mangelt an der bestmöglichen Kommunikation dieser Qualität.
Heute ist Salento auf dem Weg, ein Symbol für die neue erstklassige Front im italienischen Weinbau zu werden. Die antike Tradition im Rebbau und optimale pedoklimatische Bedingungen sind die beiden wichtigsten Gründe. Außerdem ist die Nähe des Meeres ein weiterer Pluspunkt, der die zum Teil ausgeprägten Klimaeinflüsse mildert und den Weinen Komplexität und Eleganz gibt, die sie einzigartig machen. Sie sind Ausdruck einer starken Identität, das sich auf Augenhöhe mit anderen großen geschichtsträchtigen Wein-Territorien mit viel längerer Erfahrung auf dem Markt behaupten kann.
Die Weinwelt Apuliens zerteilt sich in viele kleine Fragmente, mit 25 DOC-Gebieten, die sich in etliche Unterordnungen gliedern. Das Territorium Apuliens ist hauptsachlich flach, gekennzeichnet von ausgedehnten Hochebenen und flachen Hügeln, die bis ans Meer heranreichen können. Der Rebbau nimmt einen großen Teil der landwirtschaftlich bestellten Fläche ein und wird wie der Olivenbau hauptsächlich in Monokultur betrieben. Und doch zeichnet sich das ampelografische Vermögen Apuliens durch eine von Mensch und Natur in Jahrhunderten selektionierte Rebsortenvielfalt aus.
Böden für rote Trauben, aber auch einige weiße Sorten von Tradition und Qualität wie Malvasia bianca, Moscato Reale di Trani, Verdeca, Bianco d’Alessano oder Bombino bianco della Daunia. Mit der Zeit haben sich zu diesen wenig verbreiteten Rebsorten andere weiße und rote italienische Varietäten gesellt, wie Sangiovese und Montepulciano, Fiano und Vermentino. Auch viele internationale Sorten werden angebaut (Chardonnay, Merlot, Cabernet Sauvignon, Viognier), wenn auch nicht so exzessiv wie zum Beispiel in Sizilien oder Kalabrien. Aber wie bereits ausgeführt, sind es in erster Linie die roten autochthonen Rebsorten, die mit Negroamaro, Primitivo, Susumanielle und Malvasia nera für den Weinbau in Apulien und im Salento kennzeichnend sind. Nachfolgend einige vertiefende Informationen über diese Rebsorten im einzelnen.

Negroamaro ist die bekannteste autochthone Rebsorte in Apulien und noch genauer im Salento. Auch wenn es keine gesicherten Kenntnisse über ihren Ursprung gibt, kann mit einiger Sicherheit behauptet werden, dass ihr Anbau auf die Zeit der griechischen Besiedlung zurückgeht, VII-VIII Jh. v.C. Diese Aussage scheint von dem Namen „Negroamaro' bestätigt zu werden. Dieser stammt weder – wie einige behaupten - von „niuru maru', wie die Sorte mundartlich von den Einheimischen genannt wird, noch von ihrem leicht bitteren (amarognolo)Geschmack, sondern setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, die beide den Begriff „schwarz' definieren: das lateinische Nigra und das griechische Mavros, die gemeinsam genutzt werden, um das tiefe Schwarz sowohl der Haut als auch des gewonnenen Weins hervorzuheben.
Für über ein Jahrhundert war Negroamaro wegen seines massiven Anbaus ausschließlich als Verschnitttraube bekannt und wurde häufig verwandt, um Weinen aus norditalienischen Regionen Farbe zu geben. Erst in den letzten Jahren ist es dank einiger Qualität produzierender Winzer gelungen, diese Rebsorte aufgrund ihres önologischen Potentials und ihres organoleptischen Reichtums bekannt zu machen. Aus ihr entstehen Weine von großer Persönlichkeit, die man auf den ersten Schluck erkennt und die – nicht zuletzt wegen der Farbe- auf eindringliche Weise mit ihrem Territorium verbunden sind.
Die Pflanze ist kraftvoll mit durchschnittlichem Keimtrieb und robusten Schösslingen, die einen mittleren Abstand zueinander aufweisen. Sie gedeiht auf unterschiedlichen Böden, auch wenn sie solche lehmartigen und kalkhaltigen Ursprungs bevorzugt, und verträgt gut heißes und auch trockenes Klima. Ihre Anfälligkeit für Schädlinge oder Krankheiten liegt im Bereich des Normalen mit einer gewissen Empfindlichkeit gegenüber Botrytis in besonders regnerischen Herbsten und in ungünstigen Zeiten gegenüber Motten. Sie widersteht Tauwetter gut und ist nicht sehr anfällig gegenüber echten und falschen Mehltau. Von der traditionellen Erziehung in Buschform ist man in den letzten 20 Jahren zu einem modernen Erziehungssystem übergegangen, in Spalierform und einer Dichte, die zum Teil bis zu 6000 Stöcke pro Hektar betragen kann.
Morphologisch betrachtet ist die Traube mittlerer Größe und (stumpfer) konischer, dicht gedrängter Form. Die Beere ist mittel bis groß mit dicker, bereifter Haut, von violett-schwarzer Farbe. Das Fruchtfleisch ist saftig, süß und von neutralem Geschmack. Sie reift relativ spät, in einigen Hügellagen kann sich die Lese bis in die dritte Septemberdekade ziehen mit einer Produktion, die in jeder Erziehungsform konstant bleibt.
Diese Rebsorte bildet die Basis einiger der besten Weine aus dem Salento, von frischen und schmackhaften Roséweinen zu potenten und großen Rotweinen, die beide von Eleganz und Weichheit ausgezeichnet werden. Ein reinsortiger Negroamaro zeigt ein tiefes dunkles Rubinrot; am Gaumen rund, leicht bitter und trocken. Gemeinsam mit dem Malvasia nera gibt er einen hervorragenden Roséwein, der sich vielseitig kombinieren lässt, mit einer intensiveren und strahlenderen Farbe als viele andere Roséweine, mit altrosa, korallen-farbenen Reflexen.
Die Geschichte des Primitivo verschwimmt stückweit mit der Legende. Einige Wissenschaftler behaupten, dass die Rebsorte vor über 2000 Jahren entstand, und über die Wurzeln dieser Varietät bestehen viele Unklarheiten. Man geht von einem wahrscheinlichen Ursprung im nahen Dalmatien – genauer Illiria - aus, von wo aus die Traube später nach Apulien gelangte. Andere Wissenschaftler sehen einen engen Zusammenhang mit Zinfandel, ursprünglich aus Ungarn und anschließend nach Kalifornien und Australien verbracht, was durch DNA-Analysen jüngeren Datums bestätigt wurde. Als gesichert gilt, dass der Primitivo Ende des 17. Jh. nach Apulien kam und seine expansive Kultivierung erst im 19. Jh. als Folge der Reblauskatastrophe im europäischen Weinbau seinen Anfang nahm.
Der Name rührt von der frühen Reife dieser roten Rebsorte, in allen Stadien, vom Keimen über die Blüte und der Veraison bis zur Reifung der Beere. Sie wird freistehend in der sog. apulischen Buschform erzogen mit 4-5 Spornen und der Besonderheit, dass 20-30% der fruchtbaren Triebe eine spätere zweite Produktion hervorbringen können. Sie ist nicht besonders resistent gegen Fäule und Tauwetter im Frühling und kann in regnerischen Jahrgängen auf tiefen Böden leicht verrieseln. Sie ist relativ unempfindlich gegen echten und falschen Mehltau, aber etwas anfällig für Botrytis und zieht mittellockere kalkhaltige Lehmböden vor.
Wie bereits erwähnt, ist der Primitivo eine der wenigen italienischen Rebsorten, die zwei Reifezeiten haben und damit zwei Lesen ermöglichen. Die erste gegen Ende August, Anfang September und die zweite, die aus den späterreifenden sog. „racemi' gewonnen wird, zwischen der letzten September- und der ersten Oktoberdekade. Die Pflanze zeichnet sich durch ein mittelgroßes Blatt mit fünf dunkelgrünen Lappen aus, die an ihrer Unterseite von einem dünnen Flaum bedeckt sind. Die Traube ist mittelgroß, lang, kegel- bis zylinderförmig, geflügelt oder doppelt, mittlere Beerendichte. Die Beere ist rund mit durchschnittlicher Hautdichte und von bläulicher Farbe. Die Produktion von hervorragender Qualität ist konstant in den Jahren und muss vor der Reifezeit in großem Umfang ausgedünnt werden. Der Wein ist von kraftvoller zum Veilchenblau neigender Farbe und einem Bouquet, das an Kirsche und Pflaume erinnert. Am Gaumen warm und voll. Mit der Alterung wird der Wein runder. Auch die Produktion eines süßen likörartigen Primitivo ist möglich, der einen Alkoholgrad von mindestens 16,5% vol. haben muss.

Susumaniello ist die dritte autochthone Rebsorte Salentos und vor allem im Bereich von Brindisi ansässig. Traditionell wurde sie in diesem Gebiet zusammen mit dem Negroamaro und der Malvasia nera angebaut und gab den Weinen Farbe und ein besseres Gleichgewicht von Säure und Zucker. Sie stammt aus dem nahen Dalmatien, und ihr Name nimmt Bezug auf die hohe Produktivität (vor allem in jungen Jahren), die zur Beladung eines Esels ausreicht. Eine Eigentümlichkeit, die sich allerdings mit jedem Jahrgang drastisch verringert bis zu so niedrigen Erträgen (1,8 bis 2,2 kg pro Stock), die nicht einmal den Anbau rechtfertigen.Nach zehn Jahren Lebensdauer produziert der Susumaniello nicht mehr als 0,8 bis 1 kg pro Stock. Eine geringe Produktivität, die die bestellte Oberfläche nachdrücklich reduziert und ihre Anwesenheit in der Ampelografie Apuliens gefährdet hat.
Heute werden aus dem Susumaniello dank seiner speziellen Charakteristiken große strukturierte Rotweine gewonnen, elegant, körperreich und unnachahmlich. Ein Goldmine im Weinbau, die alle Erzeuger aus dem Salento wieder entdecken und nutzen sollten. Aus morphologischer Sicht besitzt die Pflanze mittelgroße bis große glatte und glänzende Blätter. Im modernen Spalier-Anbau neigt man dazu, die der Sonne zugeneigte Blätteroberfläche und damit die Prozesse der Photosynthese, vor allem während der Blüte und des Fruchtansatzes, zu erhöhen. Die Traube ist mittelgroß, dichtbeerig, von einfacher langer Pyramidenform. Die mittelgroße Beere hat eine bereifte blaue Haut. Die Traube ist sehr zuckerhaltig mit guter Gesamtsäure, hohem Farbstoff und Extrakt.
Wetterungswidrigkeiten und Schädlinge stellen keine großen Schwierigkeiten für diese Rebsorte dar. Sie wird in der traditionellen Form des apulischen Busches, aber auch in Spalier erzogen mit einer Dichte von mehr als 4000/5000 Rebstöcke pro Hektar. Die Traube reift in der Regel in der dritten Septemberdekade. Der gewonnene Wein zeigt ein tiefes dunkles Rubinrot mit intensiven, lebendigen purpurfarbenen Rändern.

Die vielen Malvasia genannten Rebsorten haben oft nur den Namen gemein, der höchstwahrscheinlich von dem griechischen Hafen Monemvasia herrührt, aus dem viele erlesene Süßweine stammten, die in alle Länder des Mittelmeers verschifft wurden. Die Venezianer nutzten diese Bezeichnung zunächst für Süßweine aus dem östlichen Europa und später auch für die kleinen Läden, in denen sie diesen Getränken zusprachen.
Die Malvasia nera di Brindisi hat sehr wahrscheinlich ihren Ursprung in Griechenland und den Inseln im Ägäischen Meer und gilt als kraftvolle Rebsorte mit einer mittleren und konstanten Produktion. Sie gedeiht am besten bei ausgedehnten Erziehungssystemen und mittlerem bis langem Rebschnitt, aber auch ein kürzerer Schnitt bereitet in der Regel keine Schwierigkeiten. Die Knospe hat eine breite und gepolsterte Spitze. Das Blatt ist groß, mit fünf dicken, dunkelgrünen, glatten Lappen.
Die Traube ist mittelgroß, stumpf kegelförmig mit kaum wahrnehmbaren Flügeln. Auch die Beeren sind von mittlerer Größe mit fester schwarz violetter flaumiger Schale, fleischiger Frucht und durchschnittlichem Geschmack.
Die Trauben reifen in der Regel Mitte September und erzeugen intensiv rubinrote Weine mit violetten Reflexen, die durch ausgeprägte Fruchtnoten nach Granatapfel und Himbeeren bestechen. Gute Struktur in Verbindung mit gutem Alkoholgrad, Würze und wohldosierter Säure. Ohne Trester können daraus zusammen mit dem Negroamaro hervorragende Roséweine erzeugt werden.
Verfasst am 05 April 2010 in der Kategorie Das Territorium
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