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Salento: Die Küstenwachtürme

Bei einer Wanderung durch Salento gibt es zahlreiche großartige Bauwerke zu entdecken, zu denen unter anderem die Wachtürme zählen.

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Die Geschichte

Lange, breite Sandstrände und transparentes Wasser von ungleicher Farbenvielfalt sind typisch für das Ionische Meer und stehen im Kontrast zu den grandiosen, steil ins Meer abfallenden Felsen der Adria. Doch es gibt etwas, das diese beiden so unterschiedlichen Regionen vereint: die Zeichen der Vergangenheit. Die Küstenwachtürme, die unauslöschlich an die Scharmützel des sarazenischen Feindes bei seinem Versuch, sein Reich auch auf den Alten Kontinent auszudehnen, erinnern und während der Herrschaft der Angioni und nachfolgendend der Aragoner errichtet wurden. Ihre Formierung zu einem organischeren Befestigungssystem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist aber auf Karl V und die Spanier zurückzuführen, um den Überfällen durch die Osmanen zu trotzen.

Die Türme der Angioni hatten einen zylindrischen Sockel, während die später von den Aragonern errichteten über eine quadratische Grundfläche verfügten, was sie nach Ansicht der damaligen Baumeister resistenter gegenüber den Artilleriegeschützen des Feindes werden ließ. Ein Überwachungs- und Kommunikationssystem, das diese Ufer weniger anfällig gegenüber Angriffen der Mauren machte und uns heute - zumindest zum Teil - in seiner antiken Pracht begeistert.

Viele Küstentürme sind mit der Zeit Opfer von Erosion und Vernachlässigung geworden. Ein wesentlicher Grund des Verfalls ist der Gebrauch von Salzwasser bei der Zubereitung des Mörtels zur Verbindung der für diese Bauten charakteristischen Tuff- und Kalksteine. Der Salzgehalt begünstigte eine rasche Erosion und damit einen schnellen Einsturz des Großteils dieser Monumente. Es wird erzählt, dass der in der Nähe von Lecce befindende Torre Mozza („Verstümmelter Turm') so genannt wurde, weil er nach seiner Errichtung im Jahr 1565 etliche Male in sich zusammenstürzte.

Im Laufe der Jahrhunderte sind um diese Wachtürme herum kleine Ortschaften entstanden, die heute - nicht zuletzt wegen des traumhaft klaren Wassers -  beliebte Ausflugsziele für Touristen geworden sind. Einigen dieser Städtchen wurde in den letzten Jahren die „Blaue Flagge Europas' verliehen, die den hohen Umweltstandard der Wasserqualität an Badestellen anerkennt. Heute gibt es noch etwa 60 mehr oder weniger gut erhaltene Küstenwachtürme, die auch als Anhaltspunkt für die Seefahrer dienen und die nach wie vor zur Faszination der Landschaft Salentos beitragen.

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Die Küstenwachtürme in der Provinz von Lecce

Als idealer Ausgangspunkt für einen Ausflug bietet sich die Küste bei Lecce an, die von üppiger mediterraner Macchie und dichten Pinienwäldern bedeckt ist. Die Küste zeigt sich auf adriatischer Seite von Otranto bis Santa Maria di Leuca wie auf Ionischer Seite zwischen Gallipoli und Nardò steil und felsig mit ins Wasser hinabfallenden Klippen. Der übrige Küstenabschnitt ist niedrig und sandig, und in einigen Abschnitten gibt es Dünen und sumpfiges Gelände. In dem felsigen Gebiet von Casalabate kann man den Torre Specchiolla bewundern. Das pyramidenförmige Fort verfügt über 12 Gusslöcher, Öffnungen in den Erkern und Vorsprüngen  der Festungen, aus denen man Steine, brennende Substanzen und kochende Flüssigkeiten auf die Feinde hinabstürzen ließ. Im Anschluss und sehr ähnlich – wenn auch von anderen Ausmaßen -  der Torre Rinalda, der dem Ortsteil Lecces, in dem er sich befindet, gleichzeitig als Namensgeber diente. Danach Torre Veneri, ebenfalls mit pyramidenförmigen Fundament, aber eingestürzter Spitze, und zum Abschluss der 1569 errichtete Torre Chianca mit runder Form und der Schwesterturm von San Cataldo, alle im Stadtgebiet von Lecce gelegen.

Im Gebiet von Melendugno - ebenfalls in der Provinz von Lecce - befinden sich dagegen der 1568 erbaute Torre Specchia Ruggeri mit einem quadratischen Grundriss und ohne Gusslöcher und der Torre San Foca mit seinen 12 Gusslöchern. Auf einem Felsen in Ufernähe befindet sich das diesen beiden sehr ähnelnde, heute zerfallene Gewölbe des Torre Roca Vecchia, dessen wichtigstes Element der Torre dell’Orso ist, in dem Namen wie Giovanni Maria Corvino, Gennaro Stefano, Pietro Corsano und Giovanni Battista Cortese bewahrt werden.

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In Otranto stößt der Besucher auf die restaurierten torri di Sant’Andrea, die heute die Büros des Hafenamtes beherbergen, den in der Nähe des Alimini-Strandes gelegenen stumpf pyramidenförmigen Torre Fiumicelli, den zylindrischen Torre del Serpe, der im 19. Jahrhundert als Leuchtturm benutzt wurde und heute zum Symbol von Otranto geworden ist, Torre dell’Orte und Torre Sant’Emiliano, der die gleichnamige Bucht beherrscht.

Zwischen Santa Cesarea und Castro folgen aufeinander: Torre Minervino mit der typischen „Scheibenform', Torre di Castro mit quadratischem Grundriss, der ein umfassendes Gebiet überragt, der auf einem Hügel gelegene, zylinderförmige Torre Lupo und der fast vollständig eingestürzte Torre di Andranno.

Bei Leuca trifft man auf den Torre del Sasso, der sich auf einer nicht in Meeresnähe befindenden Anhöhe errichtet, und den aus zwei Stockwerken bestehenden Torre Palane. Außerdem befinden sich in diesem Gebiet der 1565 auf einer steilen Felsspitze errichtete Torre di Naspre, Torre di Specchia Grande, Torre di Tovaglie, der unter der Herrschaft von don Pedro di Toledo erbaut wurde und heute zu einer Ruine verkommen ist, und Torre dell’Ominimorti. Auf der Strecke zwischen Leuca und Ugento gibt es den zylinderförmigen Torre di Sarchiello, den Torre Vado, dessen oberes Stockwerk etliche kleine Pechnasen ziert, den sich im Meer befindenden Torre Pali und den bereits erwähnten Torre Mozza zu besichtigen. Zum Abschluss trifft man auf den Torre S. Giovanni, der 1565 errichtet und 1569 von den Türken angegriffen wurde, von deren Schlacht heute noch Überreste zeugen.

Die Küstenwachtürme in der Provinz von Brindisi

Die Landschaft in der Provinz von Brindisi ist von unbeschreiblicher Schönheit. Ihre Hügel mit einer für die mediterrane Macchie typischen Vegetation bieten ein herrliches Panorama auf das Meer, wo Sandstrände mit felsigen Küstenabschnitten im Wechsel stehen. In der Nähe von Fasano, zauberhafter, zweitgrößter Stadt in der Provinz Brindisi, befindet sich der Torre Egnazia. Ausgrabungen in der Umgebung dieses Forts bezeugen, dass hier bereits in der Eisenzeit gesiedelt wurde.

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Im Gebiet von Carovigno trifft man auf den Torre Guaceto, wo auch das gleichnamige Naturschutzgebiet beginnt. Dieses kleine Naturparadies ist seit Jahrhunderten so gut wie unberührt. Die wenigen auf die Anwesenheit des Menschen hinweisenden Zeugnisse bestehen aus Trockenmauern und gewundenen „Triften', die das Naturschutzgebiet in Richtung Wasser durchkreuzen, und nicht zuletzt der von den Aragonern im 16. Jahrhundert als Schutzwehr gegen die Türken errichtete Turm. In der Umgebung von Carovigno ist außerdem der Torre Sabina sehenswert.

Die Küstenwachtürme in der Provinz von Taranto

In der Provinz von Taranto trifft man an der Küste zwischen Gallipoli und Nardò entlang auf: Torre Suda, Torre del Pizzo o del Cotriero, Torre San Giovanni, Torre Sabea, Torre dell’ Alto Lido, Torre del Fiume, Torre S. Caterina, Torre dell’Alto, Torre dell’ Uluzzo.

Zwischen Porto Cesareo und San Pietro in Bevagna erheben sich dagegen: Torre Sant’Isidoro, Torre Squillace, Torre Porto Cesareo, Torre Chianca, Torre Lapillo, Torre Castiglione, Torre Colimena, Torre Saline, Torre Barracco, der sich auf einem großen Felsvorsprung errichtet, Torre dei Molini, Torre di San Pietro in Bevagna.

 

 

Verfasst am 21 Dezember 2008 in der Kategorie In Salento

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